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Aus der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr St. Lorenzen

Die gemeinsame Feuerwehr St. Marein-St. Lorenzen 1882 bis 1899

bild2.jpgWar es durch Jahrhunderte üblich und notwendig, dass die Nachbarschaft und die Dorfgemeinschaft bei Bränden und anderen Katastrophen zur Hilfe eilten, so bildete sich in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts landesweit ein eigenes Feuerwehrwesen aus. Am 4. Februar 1882 erfolgte auf Grund einer Einladung eines Aktionskomitees unter der Leitung des Pfarrers von St. Marein P. Udalrich Prach im Gasthof Hirschvogel in St.Marein die Gründung einer gemeinsamen Freiwilligen Feuerwehr für St. Marein und St. Lorenzen2 als Verein. Zum ersten Hauptmann wurde von den 47 Anwesenden Franz Freiberger gewählt. Als „Chargenabzeichen” diente vorerst eine rot-weiße Armbinde, die nur im Dienst getragen werden durfte. Nur Wochen später wurden der neu gegründeten Feuerwehr die feuerpolizeilichen Agenden von der Gemeindevorstehung
St. Marein übertragen. Zum Mannschaftswagen wurde ein Pferdeleiterwagen entsprechend umgebaut. Weiters wurde die Ausrüstung für je 6 Steiger in St. Marein und St. Lorenzen angeschafft. Während das Hauptdepot in St. Marein eingerichtet wurde, überließ in St. Lorenzen Franz Ötschmayer der Feuerwehr unentgeltlich einen kleinen Mahdstall als Depot, da offenbar der geplante Bau zu teuer gekommen wäre. Nur zwei Monate nach der Gründung wurde die neue Wehr bereits in den Gau-(Landes-)Verband aufgenommen. bild1.jpgNach Annahme der Statuten (Mai/Juni 1882) war die Anschaffung einer doppelstrahligen Hydrophorspritze um 600 Gulden (Firma Lamassa, Laibach) ein wesentlicher Hauptpunkt der folgenden Sitzungen. Eine Spende des Kaisers in der Höhe von 100 Gulden anlässlich der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr half bei der Anschaffung aller notwendigen Gerätschaften. Auch erste Einsätze konnten bereits erfolgreich durchgeführt werden.Zu Einsätzen und Übungen wurden die Feuerwehrkameraden durch Hornsignale verständigt und der Bespannungskommissär (in St. Lorenzen: Hr. Linhart) hatte von den Pferdebesitzern die Bespannung einzufordern. Bei einer Weigerung konnte bei der Gemeinde eine Anzeige erstattet werden. Den Knechten, die jeweils die Bespannung vornahmen, wurde bald eine Belohnung im Einsatz bewilligt.

Bei der Hauptversammlung am 17. Juni 1882 wurden insgesamt 48 Männer vom Hauptmann mit Handschlag angelobt.

bild3.jpgWie sehr man sich um die Feuersicherheit bemühte, zeigt ein Antrag an die Gemeinde St. Lorenzen, die veranlassen solle, dass bei einem Brand der Gemeindediener bis zum Eintreffen der in Bruck an der Mur stationierten Gendarmerie den Polizeidienst übernehmen solle, weiters die Kirchenglocken zur Alarmierung zugänglich zu halten seien, ein Nachtwächter eingestellt, am Stollingbach mehrere Wasserschwellen (zur raschen Wasserentnahme) errichtet und schließlich bei jedem mit Holz oder Stroh gedeckten Haus ständig Leitern aufstellt werden sollen.

Bei der Hauptversammlung am 17. Februar 1883 wurde Franz Pesl zum neuen Hauptmann, Georg Baumgartner zum Stellvertreter, Julius Rath zum Schriftführer und Anton Tinkhauser zum Kassier der gemeinsamen Wehr gewählt. Erstmals werden auch unterstützende Mitglieder

genannt. Der Mareiner Arzt Alexander Mathiasch erklärte sich bereit, bei Einsätzen verletzte Feuerwehrmänner kostenlos zu behandeln. Der Verein zählte bereits 50 aktive und 23 unterstützende Mitglieder4.Ende Juli 1883 trat man dem neu gegründeten Bezirksverband für das obere und mittlere Mürztal bei. Schon im Jänner 1884 hielt man erstmals einen eigenen Feuerwehrball im Gasthaus Pesl ab, der in den folgenden Jahren und Jahrzehnten zu einer regelmäßigen Veranstaltung in beiden Gemeinden wurde. 1885 wurden erstmals Frauen dankend

als unterstützende Mitglieder aufgenommen und eine genauere Abfolge der Übungen (getrennt nach Löschzügen, erst danach eine gemeinsame Übung sowie Teilnahme an Bezirksübungen) sowie die Art der gemeinsamen Ausrückung bei feierlichen Anlässen und Begräbnissen beschlossen. Erstmals wurden die Steigermannschaften mit Signalpfeifen ausgerüstet. Ebenso wurde die Anschaffung eines eigens gebauten Mannschaftswagens um 400 Gulden beschlossen. 1887 wurden Richtlinien für das Ausrücken außerhalb des eigenen Betreuungsgebietes durch Beschluss festgelegt und erstmals konnten zwölf eigene Feuermäntel für die Steiger um 120 Gulden beschafft werden, wie auch 45 Meter Schläuche, da es beim k.u.k. Militär-Train-Depot in mancherlei Hinsicht bezüglich der Requisiten Mängel aufgetreten waren. Generell funktionierte aber die Zusammenarbeit mit dieser Militäreinrichtung klaglos. In diesem Jahr wurde auch erstmals zu Kaisers Geburtstag ein Sommerkonzert mit Zapfenstreich und Glückshafen veranstaltet, um die Vereinskasse zu „stärken”. Ab 1888 wurden die Ausrückungen bei kirchlichen Feierlichkeiten (Oster- und Fronleichnamsprozessionen und dergleichen) in den Protokollbüchern vermerkt. Als Anrede wurde „Kamerad” festgelegt. In diesem Jahr wurde auch die erste Bezirksübung im Betreuungsgebiet, nämlich in St. Marein abgehalten. Waren die Einsätze in Tal-Lagen oft recht erfolgreich, so stand man bei Berggehöften so mancher Tragödie machtlos gegenüber5.

Im Februar 18896 wurde Isidor Laschitz zum neuen Wehrhauptmann gewählt, Karl Gortan zu dessen Stellvertreter, Josef Freiberger zum Schriftführer und Johann Kahr zum Kassier. Als Neuerung wurde die Einführung eines Florianifestes vermerkt. Am 22. Juni 1890 rückte die hiesige Feuerwehr erstmals nach Bruck aus, um bei der Bekämpfung eines Mühlenbrandes Hilfe zu leisten. Wie schon in den Vorjahren konnte auch in diesem Jahr das rasche Ausrücken und das energische Eingreifen bei Bränden hervorgehoben werden. Dank weiterer Beitritte konnten 1891 die Löschzüge von bisher 6 auf 8 Mann aufgestockt werden, des Weiteren wurden neue Helme angeschafft. Wiederholte Bemühungen galten einer besseren Ausrüstung. So etwa sollten alle Löschzüge mit Handspritzen ausgestattet werden. bild4.jpgInfolge von Unstimmigkeiten über ein der Feuerwehr geschenktes Los, von dem man sich offenbar einen bedeutenden Gewinn erhoffte, legte Wehrhauptmann Laschitz (offensichtlich sprach man bereits von einer möglichen Trennung) bei der Hauptversammlung am 13. Februar

1892 sein Amt nieder. Am 9. April 1892 wurde als neuer Hauptmann Georg Baumgartner gewählt, die Funktion des Stellvertreters übte weiterhin Franz Pesl aus, ebenso blieben Karl Gortan als Schriftführer und Johann Kahr als Kassier. In diesem Jahr wird erstmals die “vereinseigene” Musik unter Kapellmeister Josef Althon erwähnt, die eigene öffentliche Veranstaltungen maßgeblich unterstützte.

Im folgenden Jahr gründete man zusätzlich einen mit der Feuerwehr verbundenen Gesangsverein, der abwechselnd in beiden Orten seine Proben abhielt. Ebenfalls 1893 beschloss man die Anschaffung von Rettungsverbandszeug sowie die Ausbildung einiger Kameraden in Erster Hilfe. Als Vereinsarzt fungierte in den nächsten Jahren der Bahnarzt von St. Marein Dr. Heinrich Hüttenmaier7. Ebenso wollte man einen Steigerturm im Bereich des k. u. k. Militär-Train-Depots St. Marein errichten, worüber seit Jahren beraten worden war. Die Gemeinde St. Marein ersuchte man, für den 2. Löschzug ein Gerätehaus zu errichten. Der 1. Löschzug war zu dieser Zeit grundsätzlich mit Männern aus St. Lorenzen besetzt und hier stationiert.

1894 legte man nach längeren Debatten endgültig fest, dass die Mäntel nicht mehr zu Hause, sondern im Gerätehaus aufbewahrt werden sollen. Gewissenhaft wurden auch seit Jahren die so genannten “Feuerrevisionen” (feuerpolizeiliche Überprüfungen) in beiden Gemeinden durchgeführt, wodurch mögliche Brandursachen entdeckt werden sollten. 1895 konnten neue Feuerwehrmäntel an die Kameraden verteilt werden, ebenso wurde ein Steigerturm in St. Lorenzen durch Zimmermeister Mandl unter der Bauaufsicht von Franz Pesl errichtet.

1895 wurde von der Wehr-Versammlung der Feuerwehr ein Musikvereinsfonds eingerichtet, als Kapellmeister für die Feuerwehrmusik wurden am 8. September Josef Hendrich und als Kassier Johann Althon gewählt. Am 30. August 1896 konnte das neue Spritzenhaus in St. Marein-Schalldorf bezogen werden, das bisherige Feuerwehrdepotim Gelände des k. u. k. Militär-Train-Depots mit 31. August gekündigt. Dank einer Subventionszusage des Landesausschusses (Vorgänger der Landesregierung) war es möglich, eine neue Feuerspritze für den 2. Löschzug anzuschaffen und zusammen mit dem neuen Haus ihrer Bestimmung zu übergeben. Das vom Feuerwehrverein selbst zu tragende Drittel an Kosten (410 Gulden) für die Spritze konnte aus der Vereinskassa durch den Verkauf von vermachten Rentenobligationen aufgebracht werden, weitere Beiträge kamen von zwei Versicherungsanstalten, sodass auch die Knaust´sche Spritze umgebaut werden konnte. Bedeutsam war der Beschluss, bei Bränden in den Gemeinden Pogier-Parschlug und Hafendorf nur mit einem (verstärkten) Löschzug auszurücken, um notfalls einen weiteren Einsatz im eigenen Rayon sicherzustellen. Das Gerätehaus in St. Lorenzen musste 1897 ebenso renoviert werden wie im folgenden Jahr die Spritze und der Mannschaftswagen, wofür die Geräte zeitweise nach St. Marein verbracht wurden und die dortigen nach St. Lorenzen.

1898 wurden die Tarife für die Bespannung neu geregelt. Für die Zufuhr wurden 1 Gulden, für die Rückfuhr 50 Kronen pro Kilometer genehmigt, wobei als Grenzen des Einsatzgebietes die Ortschaften Parschlug, Hafendorf, Deuchendorf, Graschnitz, Leopersdorf und Hadersdorf angeführt wurden. In der Hauptversammlung vom 18. Februar 1899 wurde mehrheitlich die Auflösung des Vereines beziehungsweise der gemeinsamen Feuerwehr St. Marein – St. Lorenzen beschlossen, wobei das Vereinsvermögen (Geräte und Gelder) zur Hälfte geteilt wurde. Die Gemeindevorsteher (Bürgermeister) von St. Marein, Alois Posch, und St. Lorenzen, Johann Stoll, sprachen allen Wehrmännern den herzlichsten Dank für die geleistete verdienstvolle Arbeit aus.


Zuletzt aktualisiert am Dienstag, den 20. Mai 2008 um 08:17 Uhr
 
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Fetzenmarkt am 07.07.2012

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